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Eigene Wege gehen

Florian Hill, 08.06.2010

Eine tiefe Schnittwunde am linken Ringfinger von Florian trennen für kurze Zeit die Wege der Seilschaft. Die Ärzte in Bolivien wollen den Finger nähen lassen und raten zu einer längeren Kletterpause. Trotz der Risiken einer Infektion, trainiert Florian weiterhin intensiv für die anstehende Illimani Southface Expedition - und geht dabei seinen ganz eigenen Weg.

(…) Als ich mein Equipment für mehrere Tage in meinen Rucksack zusammen packe, wird mir bewusst wie hilfreich doch ein einzelner Finger sein kann. Während des Packens denke ich an Stefan und Robert, denen ich versprochen hatte meine Hand zu schonen. Vorsichtig verstaue ich meine Steigeisen - ganz so als würde ich es heimlich und leise tun wollen.

Florian und Stefan in der Unfallchirurgie

Ich bin fest davon überzeugt mich weiter in der Höhe vorzubereiten und spüre eine noch größeren Willen an meine körperliche Grenzen zu gehen.
Stunden später finde ich mich auf dem Weg ins Condoriri-Basislager wieder. Dort angekommen muss ich mir eingestehen zu viel Gewicht auf meinen Schultern zu tragen, um meine Tour wie geplant fortzusetzen. Im Basislager entscheide ich mich dazu, meine Nahrungs- und Wasservorräte auf das Wesentliche zu reduzieren und teile die aussortiere Nahrung zwischen einer kanadischen Seilschaft auf. Nach Möglichkeit möchte ich im Alpinstil unterwegs sein und verstehe diesen, als mein Erbe einer großen Bergsteigergeneration. Im Gegensatz zum Expeditionsstil verzichtet man beim Alpinstil auf Trägerhilfe und Materialdepots, die Seilschaften sind kleiner und man nutzt unpreparierte Wege zum Gipfel - kurzum man verzichtet auf eine große Logistik und Infrastruktur am Berg. Für mich stellt der Alpinstil einen gewissen ethisch-moralischen Leitfaden dar, in einer sonst anarchisch wirkenden Bergwelt.

alleine über den Gletscher
unberührte Natur
eine lebensunwürdige Gegend ewartet mich

Mit einem immer noch blutenden und vor Schmerz pulsierenden Finger, besteige ich den Cerro Austria (5.328 m), der sich wie eine ebenmäßige Felspyramide direkt über dem Basislager am Fuße der Condiririgruppe vom Tunisee erhebt. Die Bergfahrt ist technisch nicht anspruchsvoll, der doch so abweisende Felsgestalt. Meine linke Hand hätte ich zum Klettern nicht benutzen können.
Bei einem weiteren Aufstieg über die Gletscherzunge stießen mir gleich zwei Eisrouten ins Auge (siehe Bild mit roter Markierung). In den kommenden Tagen möchte ich diese Routen zusammen mit Stefan und Robert über eine neue Route besteigen. Nach Roberts und meinem Erkunden würde es sich hierbei um eine Erstbegehung handeln.

Als die Dunkelheit langsam einsetzt schlage ich mein Zelt am Rande des Gletschers auf. Nachdem ich mir genügend Wasser für ein Abendessen geschmolzen habe, nehme ich endlich den Verband vom Finger und versorge meine Wunde akribisch. Nicht der Schmerz bereitet mir Sorgen, sondern die Folgen einer Infektion.

Kurz bevor ich einschlafe blicke ich noch einmal auf die Karte und erlese die Härte der nächsten Tage. Als ich später in La Paz die Route durch meine SUUNTO GPS Uhr am PC auswerten lasse, habe ich 38 km zurückgelegt mit einem Dutzend 5000er und Tagen in völliger Isolation und Einsamkeit. In diesen Tagen haben sich Gedanken sortiert, neue kreative Ideen sind hinzugekommen - und genau das ist der Grund warum Bergsteigen so sinnvoll für mich ist!



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