Into the wild
Florian Hill, 01.05.2011
Wir ziehen alle Register, lassen uns von Drake in die Wildnis fliegen. Aufgrund des schlechten Wetters gibt er uns eine 50/50 Chance für eine Landung. Es ist unsere Möglichkeit für ein letztes, allumfassendes Training. Wir setzen alles auf eine Karte, ziehen los. Ich bin ein proaktiver Mensch und manchmal muss man eben unvollkommene Entscheidungen treffen als die Zeit damit zu verschwenden nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen.
Wir überfliegen einen großen Seitenkanal des Pazifischen Ozeans, ehe Drake die Maschine auf einem schmalen Streifen zur Landung ansetzt.
|
|
|
Ein Satellitentelefon haben wir nicht. Wir müssen einen exakten Zeitpunkt ausmachen an dem uns „Flying Drake“ wieder abholt. Würde das Wetter zu diesem Zeitpunkt schlecht sein und Drake nicht fliegen können, hätten wir ein ernsthaftes Problem. Verpflegung und Brennstoff reichen lediglich für fünf Tage. Keine Zeit für Wildnisromantik. Entscheidend ist jetzt das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Materie – was uns bleibt ist Intuition und das Selbstbewusstsein die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Bereits nach ein paar Stunden drücken 28 Kilogramm schwer auf die Schultern. Wir erreichen den Anfang einer Gletscherzunge. Ein langer und beschwerlicher Weg liegt hinter uns: An der Küste entlang durch knöchelhohen Sand, weiter durch den alaskanischen Busch, bis hin zum Gletscher. Einmalig die verschiedenen Vegetationszonen. Trotz Müdigkeit bin ich beeindruckt.

Innerhalb kürzester Zeit donnern gewaltige Lawinen an den steilen Bergflanken herunter. Wir dürfen hier nichts riskieren schießt es mir durch den Kopf. Ein kleiner Unfall könnte sich zu einem Drama entwickeln; das Aus bevor das eigentliche Abenteuer angefangen hat. Unterhalb des Gletschers, auf einem sicheren Plateau, errichten wir unser Zelt. Gletschereis erzählt Jahrtausend alte Geschichten. Nirgendwo sonst träume ich so intensiv, als in der Nähe des „ewigen Eis“. Dafür gibt es keine Erklärung, es ist einfach so!






