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Realutopie: Wenn Träume sterben

Florian Hill, 25.05.2011

Dem deutsch-österreichischen Extrembergsteiger Florian Hill (27) und dem gebürtigen Österreicher Markus Kirchgasser (29) gelingt die Erstbegehung der Route „epic“ an der Süd-Ost Wand des Taku-D-Peak im Juneau Icefield (Alaska) by fair means, innerhalb von 14 Tagen. Damit haben sich Florian Hill und Markus Kirchgasser nicht nur die Erstbegehung der Süd-Ost Wand gesichert, sondern die erste Besteigung des Taku-D-Peak „by fair means“ überhaupt.

Kichgasser_Hill_Team

(florian hill)
Es gibt Plätze auf dieser Welt, die bleiben unberechenbar. Alaska ist einer von diesen.
Tagelang war unsere einzige Tätigkeit die Bewegung in der Horizontalen, später dann in der Vertikalen. Ein Tanz zwischen den Grenzlinien Himmel und Erde.
Mit Ski haben wir Lastenschlitten hinter uns hergezogen, Schritt für Schritt. Das Gehen blieb auch der einzige Ausweg, aus dem endlos erscheinenden Eisfeld. Mit ca. 4000 qkm gehört das Juneau-Icefield zu einem der größten, nicht-polaren, Eisfelder dieser Erde.

Taku_Range_Abend

"BY FAIR MEANS" - eine Frage der Ehre
Das Eis-Gehen war aber nur ein Bestandteil der Expedition. Das ambitionierte Ziel: Eine Erstbsteigung „by fair means“, also ohne technische Hilfsmaßnahmen.
Bergsteigen „by fair means“ („den fairen Mitteln entsprechend“), ist eine besondere Herausforderung in unbekannten Terrain und eine extreme Spielform im Expeditionsbergsteigen. Für mich ist es zu einer Philosophie geworden. Wenn ich auf bestimmte technische Hilfsmaßnahmen verzichte, finde ich zu einer gewissen Ursprünglichkeit zurück. Aus einer Notsituation hätten wir uns folglich nur selbst befreien können; ein Satellitentelefon oder GPS-Spot hatten wir nicht mit dabei.

Hill_gehen

www.florianhill.com Kochenarbeit: Das Material wird selbst gezogen.

Von Sieg und Niederlage
Am 12.05. stehen wir um ca. 14.30 Uhr (AKST) auf dem Gipfel des Taku-D-Peak. Der blaue Himmel kontrastiert mit dem ewige weiß unter uns.
Ich habe mein Ziel erreicht. Monate lange Recherchearbeit und Vorbereitungen gehen mit einem Schlag zu Ende. Und immer wenn ich am Gipfel stehe hat das auch etwas wehmütiges, man verliert einen Traum der nun zu einer Realutopie herangereift ist.
Mount Everest, Nepal, am selben Tag: Mein Freund Takashi Ozaki bricht nur wenige Meter unterhalb des Gipfels zusammen und stirbt.
Das extreme Bergsteigen in seinem gesamten Ausmaß bleibt nichts anderes als eine radikale Konfrontation aller Facetten des Lebens. Glück und Unglück, Sieg und Niederlage, Leben und Tod, nichts von dessen ist voneinander trennbar, alles steht in Verbindung mit unsererm Schicksal.

www.florianhill.com

Fakten zur Route
Name: Taku-D-Peak
Lage: Alaska, Juneau Icefield, zwischen Taku und Matthes Glacier.
Höhe: 5810 feet
Gestein: Granit
Route: Süd-Ost Wand
Routenname: „Epic“
Schwierigkeit: TD-, E5, 550 Meter
Zustieg: „by fair means“ Juneau -> Blackerby Ridge -> Lemon Glacier -> Death Valley – > North Branch – > Taku Glacier
Abstieg: “by fair means” Taku Range und den gefährlichen Mendenhall Glacier -> Juneau
Dauer: 16 Tage
Material: 1x 50 Meter Halbseil, 1 x 55 Meter Dyneema Reepschnur, Firnanker, Friends (5,3,2,1), komplettes Klemmkeilset, 5 Eisschrauben, Bandschlingen, Steileisgeräte, Steigeisen, 2-3 Spachtelhaken
Kartenmaterial: Geological Survey (USGS), Alaska Topographic Series von 1964



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